Deutschland

Bootsurlaub auf Charterbooten war in Deutschland bis vor wenigen Jahren ein ziemlich exclusives Vergnügen, mit einer ehrfurchtsgebietenden nautischen Aura. Dabei zählen unsere Flüsse, vor allem der Rhein mit seinen Nebenflüssen, z.B. Main, Mosel, Neckar oder Lahn, zu den schönsten Europas. Und unser Kanalsystem hat eine lange Tradition:

Bereits Karl der Grosse hat 793 mit dem Fossa Carolina versucht, Main und Donau durch einen Kanal zu verbinden. Noch ehe im 15. Jahrhundert die Schleusen ihren heutigen technischen Stand erreicht hatten, wurde Ende des 14. Jahrhunderts der Stecknitz Kanal vom Möllner See nach Lübeck gebaut, später wurde er bis Lauenburg an der Elbe verlängert und bildete so die erste Binnenverbindung zwischen Nord – und Ostsee. In Lauenburg an der Elbe befindet sich noch heute die restaurierte älteste Kammerschleuse Europas aus dem Jahr 1393. Das kanalisierte Flüsschen Finow, 1609 in Betrieb genommen, verband die Havel mit der Oder.  Palmschleuse

Deutschland hat also eine lange Geschichte der Binnenschifffahrt auf Flüssen und Kanälen. Heute verfügen wir über ein leistungsfähiges Netz von Bundeswasserstrassen, die kontinuierlich modernisiert und ausgebaut werden. Auf ihnen verkehren Lastkähne mit bis zu 3000 Tonnen Tragkraft, bei Schub-Verbänden sogar bis 5000Tonnen.

So wichtig diese Wasserstrassen für die Wirtschaft sind, so zwiespältig empfindet sie der Freizeitkapitän: im Vergleich zu den Kanälen in England oder in Frankreich, deren Charme aus einer anderen, langsameren Epoche stammt, sind die begradigten und gut ausgebauten Transportstrassen doch eher nüchterne Zweckbauten, bestens dazu geeignet, die Moderne immer in Erinnerung zu rufen. Schon allein die Dimensionen mancher Schleusenanlagen lassen auch geräumige Privatyachten auf die Grösse einer Nussschale schrumpfen.

Daher waren private Motorboote und –Yachten im Wesentlichen nur auf den Flüssen und kaum auf den Kanälen zuhause. Im Vergleich zu anderen Ländern waren auch die Möglichkeiten, Boote zu mieten bzw. zu chartern nicht so alltäglich. Auch die Infrastruktur, die das Bootswandern dort so populär macht, von den Anlege- und Einkaufsmöglichkeiten bis zum Netz der Restaurants und Kneipen, ist nicht so auf den Familienurlauber zugeschnitten.

Dazu kommt, daß hierzulande für das Führen auch kleiner motorisierter Wasserfahrzeuge (ab 5 PS Antriebsleistung) immer ein Führerschein erforderlich war. Das ist im Hinblick darauf, dass unter den oben beschriebenen Bedingungen auch vom Privatskipper eine gewisse Professionalität verlangt werden muss, gut verständlich, schüchtert aber den Amateur erst einmal ein.

Dies hat sich vor nunmehr 10 Jahren schlagartig geändert.

Seit der Wiedervereinigung steht uns eines der grössten und schönsten Wasserreviere in Europa offen. Allein Berlin hat mehr als 100 km schiffbare Flüsse und Kanäle und sieben Seen im Stadtgebiet. Im Umland, in Brandenburg und Mecklenburg, kommen nochmals ca. 2500 km hinzu.

Ein Teil davon ist natürlich ebenfalls intensiv kommerziell genutzt, der grösste Teil aber bietet dem Freizeitkapitän ideale Möglichkeiten. Zwei davon haben wir auf der folgenden Seite aufgeführt, zusammen mit einem Link zu einer Karte aller deutschen Binnenwasserstraßen.

Seit dem Frühjahr 2000 wurde dann auch auf einem Teil dieser Gewässer sowie auf dem Oberlauf der Saar die Führerscheinpflicht ausser Kraft gesetzt, das heisst, der Urlauber kann, wie in anderen europäischen Ländern auch, nach einer Unterweisung durch die Bootsagentur, die durch das Ausstellen des Charterscheins bestätigt wird, gemächlich lostuckern. Das neue, bislang auf 3 Jahre befristete System hat sich, laut Wasserschutzpolizei, bisher bestens bewährt, sodass zu erwarten ist, daß es beibehalten werden wird. Dies wird sicherlich dazu führen, daß sich ähnlich wie in den anderen Ländern noch weitere Möglichkeiten für den Bootsurlauber ergeben werden.

Wobei es sicherlich kein Fehler ist, einen Bootsführerschein zu erwerben, er wird überall dort, wo sich Berufs - und Privatschifffahrt ein Revier teilen, auch weiterhin erforderlich sein. Information zu diesem Thema haben wir hier zusammengestellt:

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