Praktische Tips

seerose_mit_libelleErholung....

Hausboot - Urlaub, das ist zuallererst die Wiederentdeckung der Langsamkeit. Im Schnitt sind Sie etwa so schnell wie zu Fuß und haben genug Muse, Natur und Landschaft an sich vorbeiziehen zu lassen.

Daher sollten Sie Hausboot-Urlaub nur dann in Erwägung ziehen, wenn Sie im Urlaub nicht unbedingt ”action” suchen.

Im Prinzip ist die Handhabung eines Hausboots keine Hexerei. Bei der Bootsübernahme bekommen Sie in der Regel eine umfassende Einführung, allerdings nicht unbedingt auf Deutsch. Zögern Sie aber gerade deshalb nicht, nachzufragen, wenn noch etwas unklar ist. Und keine Sorge, Mietboote sind robust gebaut und auch die übrige Möblierung der Wasserstrassen, Schleusen, Anlegestellen usw. sind Anfänger gewöhnt und stehen trotzdem zum Teil seit über zweihundert Jahren. Erwarten Sie nicht, alles gleich perfekt zu können, das hat sowieso noch keine(r) geschafft.

..... und Aktivität

Das soll nicht heißen, daß es nichts zu tun gäbe. Im Gegenteil: Von den schiffbaren Binnengewässer kommen eigentlich nur die großen Seen, der Mündungsbereich der Flüsse und ganz wenige Kanäle ohne Schleusen aus. Alle anderen Wasserweg sind zur Überwindung von Höhenunterschieden auf Schleusen angewiesen. Und diese bedürfen der mehr oder weniger aktiven Mitarbeit der Mann (und Frau-)schaft. Hausboot-Urlaub ist also zugleich auch Aktivurlaub, mit viel frischer Luft und, je nach Strecke und täglichem Pensum, körperlicher Betätigung. Da die Kanäle fast immer von einem Treidelpfad gesäumt sind, können sie auch gut neben dem Boot herlaufen bzw. mit dem Rad, das bei vielen Booten dazu gemietet werden kann, die Gegend erkunden.

.......für die ganze Familie

Sie sollten mindestens zu zweit sein, einer zum steuern, der andere für die Schleusen. Viel besser ist es aber zu mehreren. Gerade Kinder haben Spaß am Betätigen der Schleusen und auch am Steuern, sodaß Hausbooturlaub ideal für Familien mit Kindern ist.

.....zu jeder Jahreszeit

Von der Jahreszeit her ist eigentlich jede geeignet, die Boote haben ja alle eine ordentliche Heizung. Bedenken Sie aber, daß im Norden die Tage im Winter doch recht kurz sind, sodaß nur wenige Stunden zum Fahren zur Verfügung stehen. Aus unserer Erfahrung sind in England Juni/Juli und September bis Mitte Oktober gute Zeiten. In Frankreich, insbesondere im Süden, ist die Saison natürlich noch um einiges länger, allerdings sind die Öffnungszeiten der Schleusen in der Nebensaison eingeschränkt. Zum Teil werden die Kanäle auch für Wartungsarbeiten ganz geschlossen.

Ausserhalb der Hauptsaison (Mitte Juli bis Anfang September) sind auch die Mietpreise deutlich niedriger.

Die Kosten

Auf den ersten Blick sind die Kosten für eine Woche Bootfahren sehr hoch, vor allem in der Hauptsaison. Allerdings sind auch die Hotel- oder Ferienhauspreise dann nicht von Pappe. Und an Land kommen noch die Autokosten hinzu.

Je nach Vermieterfirma werden auch noch Treibstoffkosten oder eine Betriebsstundenpauschale berechnet werden, Für die Überführung des Autos bei Einwegfahrten wird ebenfalls eine Gebühr berechnet, auch das sichere Parken des Autos ist nicht immer kostenlos, Manchmal wird auch eine Reinigungspauschale erhoben, falls Sie die Endreinigung nicht selber machen wollen. Es lohnt sich auf jeden Fall, hier die Angaben in den Katalogen der Vermieter kritisch zu vergleichen und vielleicht sogar zu handeln.

Der Vermieter wird vor der Reise eine Kaution einbehalten, die den Eigenanteil der Versicherung abdeckt und nach Rückgabe des Bootes erstattet wird. Auf dem Boot befindet sich in der Regel eine Liste des Inventars, Geschirr etc.; wenn Sie ganz auf Nummer Sicher gehen wollen, überprüfen Sie dies bei Übernahme des Bootes auf Vollständigkeit.

Hier noch einige allgemeine Tips:

Vorbereitung

  • Informieren Sie sich ausführlich über die verschiedenen Regionen und über die verschiedenen Bootsvermieter. Wir haben einige links zusammengestellt, die Ihnen dabei helfen werden.
  • Ganz grundsätzlich sind die Kanäle in England kleiner und altertümlicher als die in Frankreich. Auch die Boote unterscheiden sich prinzipiell; in England sind es fast ausschließlich die schmalen und langen Narrowboats mit direkter Rudersteuerung, während in Frankreich normale Kabinenkreuzer eingesetzt werden. In England haben Sie eine grössere Freiheit, Ihre Zeit einzuteilen, da die Schleusen fast immer selbst bedient werden und, ausser bei Wasserknappheit, den ganzen Tag zur Verfügung stehen. In Frankreich hingegen sind die Kanäle, die zum Teil noch kommerziell genutzt werden, breiter und moderner, aber die Schleusen sind nur zu bestimmten Zeiten geöffnet, z.B. von 6:30 - 17:30, mit einer Mittagspause von 12 bis 13 Uhr. Dafür haben Sie hier in der Regel entweder Schleusenwärter oder automatische Systeme, sodaß Sie, wenn Sie sich auf diesen Rythmus einlassen und die kulinarischen Genüsse der Region geniessen, sehr geruhsame Ferien haben werden.
  • Nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Hektik und Streß vertragen sich schlecht mit dem langsamen Dahingleiten auf dem Wasser. Gehen sie von einer täglichen Fahrzeit von 5 Stunden aus, dann haben Sie genug Reserve für Unvorhergesehenes und vor allem Zeit zum Nichtstun. Da die zulässige Höchstgeschwindigkeit ca. 7 km/h beträgt und Sie zudem pro Schleuse etwa 15 Minuten rechnen können, wird Ihre tägliche Fahrtstrecke zwischen 20 und 40 km liegen. Das ist, vor allem wenn dies Ihr erster Bootsurlaub ist, eine ganze Menge.
  • Wählen Sie kein zu kleines Boot. Auch wenn die Kosten auf den ersten Blick sehr hoch sind, sollten Sie lieber ein zu grosses als ein zu kleines wählen. In aller Regel wird die Sitzecke im Salon nachts zu einem Doppelbett umgebaut. Das ist für eine Familie ganz in Ordnung (wir haben immer den Kindern die Kabine gegeben und schliefen selber im Salon), wenn sich aber mehrere Familien bzw. Freunde ein grösseres Boot teilen, sollte möglichst jeder ein eigenes Bett in einer der Kabinen haben. Man ist doch auf recht engem Raum recht lange beieinander, da ist eine Rückzugsmöglichkeit nützlich.
  • Daher ist, besonders für den ersten Versuch, eine Woche ausreichend.

Auf dem Boot:

  • Hausboote sind, wie schon der Name sagt, schwimmende Häuser und in aller Regel so gut ausgestattet wie eine Ferienwohnung. Das heiß Sie können sich komplett selbst bekochen und versorgen. Aber übertreiben Sie dies nicht, sondern entdecken und genießen Sie die regionale Küche. Ein gehörig Teil des täglichen Urlaubsgenusses liegt in der lustvollen Planung zur Klärung der Frage: wo essen wir heute.
  • Bootfahren ist, zumindest in den Schleusen, Teamarbeit. In der Regel fungiert das Familienoberhaupt als Kapitän, er braucht aber mindestens einen Maat, zum Anlegen, Ablegen; in England sogar besser mehrere zur Betätigung der Schleusen. Ein Teil Ihrer Gruppe sollte also Ihre Begeisterung für das Bootfahren teilen und soweit praktisch veranlagt sein, daß Sie nicht jeden Handgriff erklären und begründen müssen.
  • Nehmen Sie wetterfeste Kleidung mit. Bikinimädchen wie in manchen Katalogen werden Sie selbst im Hochsommer zumindest in Nordeuropa nur selten finden. In der Regel ist es auf dem Wasser gern ein wenig kälter als an Land, vor allem Abends. Und ganz ohne Regen werden Sie kaum durchkommen. Speziell in England, wo der Steuermann ja bei Wind und Wetter draussen steht, ist unbedingt regendichte Kleidung, mit Hut oder Kapuze, sinnvoll. Rutschfeste Schuhe sind an Bord besonders wichtig. Gummistiefel sind höchstens für den Landgang geeignet. Feste Handschuhe sind in der kühlen Jahreszeit und bei empfindlicher Haut auch recht nützlich.
  • Befolgen Sie die Anweisungen zur täglichen Ölstandskontrolle etc. und werfen Sie dabei einen kritischen Blick in die Bilge: da sollte nichts lecken oder tropfen, weder Öl noch Wasser.

Oberstes Gebot: Sicherheit:

  • Achten Sie unbedingt auf die Sicherheit an Bord und an Land. Bootsurlaub soll eine unbeschwertes Vergnügen sein. Aber Wasser hat keine Balken und ein Boot, gleich ob aus Metall oder Kunststoff, wiegt mehrere Tonnen, die, wenn sie einmal in Bewegung sind, einigen Schaden anrichten können.
  • Nichtschwimmer und kleine Kinder sollten Schwimmwesten tragen (die Sie meist vom Vermieter leihen können).
  • Besonders an Schleusen ist Vorsicht geboten, zum einen, weil leere Schleusenkammern ganz schön tief sind, zum andern, weil sich beim Füllen oder Entleeren der Schleusen heftige Wirbel bilden, die Sie durchaus unter Wasser ziehen können.
  • Beim Auf- und Abspringen vom Boot sollten Sie immer so springen, daß Sie nicht zwischen Boot und Ufer eingequetscht werden, falls Sie ausrutschen, also besser vom Heck als vom Bug aus.

 

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